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Zur Geschichte unserer Stadt

Mühldorf blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 935.

1190 verlieh König Heinrich VI. dem Erzbischhof Adalbert III. von Salzburg das Recht, in "burgo suo Muldorf" eine Salzniederlage zu errichten. Über Jahrhunderte hinaus blieb Mühldorf unter Salzburger Oberhoheit und wurde erst 1802 bayerisch, als der bayerische Kurfürst für die verlorenen linksreinischen Gebiete andere zugewiesen erhielt. Für die Salzburger Landesherren war die Stadt mit ihrem Flußübergang von erheblicher Bedeutung. Einen ihrer Höhepunkte erreichte die Salzburger Herrschaft von 1514 bis 1519 unter Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg, dem Mühldorf als fürstbischöfliche Residenz diente. Für Bayern lieferte diese salzburgische Enklave am Inn Grund für zahlreiche und langandauernde Fehden.

Die erste Erwähnung Mühldorfs als Stadt "civitas" erfolgte 1239. Das Wappen bildete ein rotes Mühlrad auf silbernem Grund. Die Stadt, im Mittelalter wiederholt Brennpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen, wurde mit einem Mauergürtel, Türmen und Toren befestigt. Dreimal, in den Jahren 1285, 1495 und 1640 wurde sie durch Feuer zum Großteil zerstört.

1322 wurde bei Dornberg im Nordosten Mühldorfs die Entscheidungsschlacht um die Deutsche Kaiserkrone zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich geschlagen. Dieser Kampf ging als letzte Ritterschlacht auf deutschem Boden in die Geschichte ein.

Der Inn als Handelsweg begründete vor Jahrhunderten den Wohlstand der Stadt. Die Weite des Stadtplatzes mit seinen Bürgerhäusern und Arkadengängen legt hiervon Zeugnis ab. Nachdem die Innschifffahrt im 19. Jahrhundert zum Erliegen kam, entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt.

Altstadtspaziergang

Rathaus 1930
Mühldorfer Rathaus 1930

Als eigenständiges Mittelzentrum bildet Mühldorf a. Inn nunmehr ein modernes und bedeutendes Einkaufszentrum im südostbayerischen Raum, ohne seinen historischen Charakter zu verleugnen.

Wir beginnen unseren interessanten Rundgang durch die historische Kreisstadt Mühldorf a. Inn an der um 1300 entstandenen Katharinenkirche. Der heutige Bau stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und wurde 1756 barockisiert. Leider ist die Kirche derzeit nicht zugänglich. (Nur zur Information: Die Decke im Inneren, Chor und Langhaus wurden mit handwerksmäßigen Fresken, die Szenen aus dem Leben der Hl. Katharina darstellen, geschmückt. Die Kirchensanierung soll noch 2015 begonnen werden.) Im Umfeld lag der Pestfriedhof, der 1611 und 1634 mehrfach erweitert werden musste. Wir gehen durch die Katharinenvorstadt zum ehemaligen Pflegschloß, das Fürstbischof Matthäus Lang von Wellenburg 1539 erbauen ließ. Es erinnert an die Zeit als Mühldorf noch salzburgisch war. Heute dient es als Finanzamt.

Das Münchner Tor, früher "Nagelschmiedturm" genannt, ist der älteste Bau der Stadt. Er wurde 1218 schon benannt und besagt, dass man ehemals dem Handwerk der Nagelschmiede die Verteidigung dieser wichtigen Bastion anvertraut hatte.

Dann öffenet sich vor uns der Stadtplatz. Er verläuft in einem sanften Bogen und dehnt sich zur Mitte hin aus. Seine Häuser äußern in feinsinniger Art die geschlossene Stilform der Innstadt-Bauweise. Die Nord-Ostseite hat einen durchgehenden Laubengang im Erdgeschoß, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Auf dieser Seite erreichen wir auch das Rathaus, dessen Fassade das achtschauflige Mühlrad als namensgebendes Emblem zeigt.

Im unteren Geschoß öffnet sich der Bau in spitzbogigen Arkarden zum Stadtplatz. Das sog. "Hexenkammerl" ist eine echte Rarität. Seit dem letzten Mühldorfer Hexenprozeß von 1749 / 50 blieb es unverändert.

Im ersten Obergeschoß befindet sich ein mächtiger "Fletz" und ein herrlicher Sitzungssaal im Stil der italienischen Renaissance. Hexenkammerl und Sitzungssaal können auf Anfrage besichtigt werden.

Der weitere Weg über den Stadtplatz führt uns zur Frauenkirche. Sie entstand 1815 aus der früheren Klosterkirche der Kapuziner, die einstige Frauenkirche stand mitten auf dem Stadtplatz und wurde wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die Innenausstattung der Frauenkirche wurde aus mehreren Kirchen zusammengekauft. Beachtung verdienen die Wandgemälde von Prof. Gebhard Fugel im Chor. An der Außenwand der Frauenkirche erinnert ein Gemälde an die Schlacht bei Mühldorf (1322).

Der untere Stadtplatz wird begrenzt vom Altöttinger Tor. Leider ist das Tor selbst und die Vorstadt bis zum Inn durch ständige Umbauten vollständig verändert worden. Früher war das Altöttinger Tor annährend 20 m hoch und beherbergte den Stadttürmer mit seinen Knechten. Sie hatten alle ankommenden Schiffszüge und Wägen, die von mehr als zwei Pferden gezogen wurden, zu melden. Deshalb gehörten Posaune oder Trompete zu ihrem Handwerkszeug. Das Trinkgeld verdienten sie sich als Musikanten bei Hochzeiten und Kindstaufen.

Vor dem Altöttinger Tor, linkerhand, spazieren wir nun zur Stadtpfarrkirche St.Nikolaus. Die Stadtpfarrkirche vereinigt vier Baustile Romanik, Gotik, Barock und Rokoko . St. Nikolaus ist mit Fresken von Martin Heigl ausgestattet. Sie ist dem Hl. Nikolaus, dem Patron der Schiffsleute, geweiht, die mit ihren Gütern der Stadt zu Reichtum und Wohlstand verholfen haben. Der bedeutendste Maler der Stadt, Wilhelm Pätzold, wurde 1521 hier beigesetzt. Neben der Stadtpfarrkirche befindet sich die St. Johannes-Kapelle, die Mitte des 14. Jahrhunderts im romanischen Stil erbaut wurde. Heute ist die Kapelle ein würdiges Ehrenmal für die Opfer beider Weltkriege.

Hier befindet sich auch einer der schönsten Pfarrhöfe Bayerns. Im Garten kann man auch einen Blick auf das Heiliggeistspital, das bereits im Mittelalter als Altersheim diente, werfen.

Ein weiterer Blick nach links zeigt dem Betrachter die Zehent- und Vorratskästen erbaut im 15. Jahrhundert. Die Salzburger Bischöfe lagerten in diesen "Traidtkästen" den Zehent ihrer Untertanen. 1981 wurde der rechtseitige Kornkasten, der als Bauhof der Stadt Verwendung fand, renoviert und beinhaltet nun eine sehenswerte Stadtbücherei.

Der nebenstehende Haberkasten wird nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten seit 2.3.96 als Veranstaltungs- und Tagungszentrum genutzt. Der dritte Vorratskasten diente lange Zeit als Gefängnis und beherbergt heute das Kreisheimatmuseums.

Auf unserem Weg durch die Altstadt Mühldorfs sind wir auf vier alte Brunnen gestoßen. Das Wasser, das aus den Quellen des Hanges im Norden der Stadt sprudelte, wurde in hölzerne Brunnenbecken geleitet, um die Bevölkerung mit frischem Wasser zu versorgen. Da die Instandhaltungsarbeiten sehr aufwendig waren, wurden steinerne Brunnen angeschafft, die 1839 durch sog. "Brunnenbuberl" geschmückt wurden. Die Brunnenfiguren stammen ursprünglich aus dem Konventgarten des Chorherrenstiftes Rebdorf. Schöpfer der Figuren war der Eichstätter Hofbildhauer Johann Jakob Berg.